Schluerf Tee Foto: Einfallsraum

Revolution statt Evolution

| Keine Kommentare

Schluerf Tee Foto: Einfallsraum

„Wir müssen aufhören, die Verpackung vom Produkt zu trennen“ sagt Simon Ben Schreiber, Designer und einer der Geschäftsführer der Agentur Einfallsraum in Kiel.  Bestes Beispiel für so eine ganzheitliche Gestaltung ist die neueste Arbeit aus seinem eigenen Hause: Die Teemarke Schlürf.

Die Sprache von Schlürf setzt bei einem Zielgruppenverständnis an, in dem der Anspruch an das Produkt direkt in die Gestaltung eingeht. Bio und fair sind die Tees aus dem Hause Schlürf also sowieso. Ansonsten trifft man hier ein Design, das sich traut, ausserhalb der ausgetretenen Pfade der Tee-Zeichenwelt zu agieren und ausserdem die Vorteile unterschiedlicher Packmittel in die Gesamtrange einbringt. So ist die opulente Schmuckkartonage mit Tee-Einzelportionen so auffällig wie der wiederverschließbare Standbeutel mit losem Tee praktisch ist.

Grundlage der Gestaltung ist ein ornamentales Zitat traditioneller Geschirrmuster auf knalligem Orange, kombiniert mit farbcodierten Labels für die unterschiedlichen Teesorten.

Auch das Naming kam von Einfallsraum:  die Teesorten tragen keine modischen Heilsversprechen im Namen, sondern norddeutsche Namen wie „Ole“ oder „Telse“, deren mutmaßliche Eigenschaften gleich in den Claim mit eingearbeitet sind. So liest man bei Bio-Eistee „Elke“: „Elke – Exotisch wie ihre Augen“.

Achtung! Humor! Wer hier lacht, hat verstanden, dass auch anspruchsvolle Produkte mit einem Augenzwinkern verkauft werden können. Zumindest in der noch exklusiven Käufergemeinde für die seit der Messe „Internorga“ im März aktiven Schlürf-Marke.

Sind die Bio-Käufer toleranter und preisbereiter als die „Normalos“ im Discounter? Die Einfallsraum-Designer Simon Ben Schreiber und Jaane Louise Graeser orientieren sich nicht an solchen Denksperren. Denn wie wäre es sonst möglich, sagen sie,  auch an günstige Produkte einen höheren Gestaltungsanspruch anzulegen, wie zum Beispiel in vielen europäischen Nachbarstaaten? Entscheidend sei der Anspruch an ein Produkt und an die eigene Zukunftsfähigkeit. Denn irgendwann, so die selbstbewussten Kieler, werden wir alle „bio“ sein!

Expertise haben Sie zu bieten: Einfallsraum hat mit dem Segment Tee, Kaffee, Kakao und Feinkost langjährige Branchenerfahrung. Darüberhinaus haben sie ihr Handwerk unter anderem in namhaften Agenturen gelernt und wissen genau, welche Rolle sie als Designer für den Kunden einnehmen wollen – nämlich eben nicht die des Schönmachers am Ende der Prozesskette. „Revolution statt Evolution in der Gestaltung“ fordert Einfallsraum, „dazu gehört auch, sich auf Gebiete zu wagen, auf denen man scheitern kann.“

Autor: krisendesign

Ich bin Birgit S. Bauer, Designerin, Journalistin, Webworker, Packaging Freak. Ich schreibe hier über Package Design, die Designer dahinter. Materialien, Farben, Kultur und Nachhaltigkeit von Verpackung.

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.

*